Konzertfotografie ist keine Knipserei!

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FreiWild 15Jahre Berlin-Juli16 -AdrianSailer-22

Konzert und Eventfotografie

Mit diesem Blogeintrag möchte ich euch ein paar Tipps und Tricks auf den Weg geben wie ich auf Konzerten fotografiere.

Im Endeffekt ist es auch eine Art People-Fotografie, mit dem einzigen Unterschied, dass das Model, in diesem Fall der Künstler, nicht stillsteht und ihr nicht das Licht setzten könnt. Dennoch ist Position und Umgebungslicht essentiell für eine gute Komposition! Und das macht das Ganze so spannend. Man kann im voraus eigentlich nie sagen was passieren wird.

Daher sollte man, am besten vor Konzertbeginn, falls möglich, die Lichtsituation begutachten und überlegen was für Lichteffekte entstehen können.

Aber bevor es um Komposition, Licht und Nachbearbeitung geht, ist in erster Linie die Ausrüstung am Wichtigsten. Da ja aktuell das Gespräch zwischen Systemkameras und klassischen DSLR– Kameras tagtäglich durch die Presse geht, will ich dazu meine Erfahrungen als erstes Verkünden. Grundsätzlich sind Systemkameras sehr gut, jedoch (bitte korrigiert mich gerne falls dem nicht mehr so ist) ist der Autofokus noch deutlich langsamer als der von DSLR Kameras. Von dem her empfehle ich für dieses Bereich der Fotografie weiterhin dicke DSLR Kameras. Aber noch viel wichtiger sind die Linsen die vorne auf der Kamera sind. Im Grunde gilt immer (zumindest was Indoor angeht) umso Lichtstärker das Objektiv umso besser. Und damit mein ich in erster Linie den T-Wert eines Objektivs.

Arch Enemy - Alissa White-Gluz
Arch Enemy – Alissa White-Gluz

Nun, damit ist ja alles klar -> Festbrennweite. Grundsätzlich für den Anfang bestimmt nicht schlecht, aber ich empfehle dennoch Zoom-Objektive. Klassiker sind hierbei das 24-70mm F2.8 und das 70-200mm F.2.8. Vorteil von Zoom-Objektiven ist, dass man einfach flexibler vom Bildschnitt ist. Oftmals ergeben sich einfach Situation bei denen man keine Zeit hat seine Festbrennweite zu wechseln. Dann doch lieber zoomen!

Wer das nötige Kleingeld hat, dem empfehle ich direkt zwei Kameras mit den o.g. Objektiven immer dabei zu haben. Ich persönlich nutze die Nikon D750 (Vollformat) mit dem 70-200mm F2.8 und die Nikon D7100 (APS-C) mit 24-70mm F2.8. Alternative von Canon wären entweder 2x die EOS 7D Mark 2 oder 1x EOS 7D Mark 2 und 1x EOS 5D Mark 3 (auf keinen Fall die 5DR).

Wie stell ich jetzt aber die Kamera richtig ein und was setze ich auf Automatik? Grundsätzlich empfehle ich so gut wie alles auf Manuell zu setzen. Dadurch hat man die meiste Kontrolle. Aber alles kann man leider auch nicht manuell lassen. Daher habe ich immer ISO Automatik aktiviert mit einer Grenze von ISO 8000 bei Vollformat und ISO 3200 bei APS-C. Den Rest lass ich Manuell (Außer den Autofokus. Dort wird allerdings der Fokuspunkt Manuell festgelegt). Alternativ funktioniert die Zeitautomatik auch sehr gut. Hat aber manchmal (gerade bei längeren Brennweiten) den Nachteil, dass der Shutter geringer als die Brennweite sein kann (durch schnellen Lichtwechsel). Dadurch ist die Gefahr groß, dass ein Bild verwackelt.

Summer Breeze 2015_2015_56Adrian Sailer

Klar, ISO-Automatik hat den Nachteil, dass die Bilder ordentlich Rauschen können, aber das kann man heute ziemlich einfach mit Lightroom etc. reduzieren. Dennoch hat die Erfahrung gezeigt, dass durch dieses Setup sehr viele Bilder unter ISO 800 sind. Zudem hat man bessere Kontrolle über die Verschlusszeit. Dadurch ist es leichter Sprünge oder sonstige schnelle Bewegungen einfrieren. Ein wichtiger Punkt ist die Blende. Hier gilt in erster Linie T-Wert checken, aber dennoch empfehle ich die Blende auf F3.2- F4.0 einzustellen. Dadurch hat man einfach einen etwas größeren Schärfenbereich. Vor allen beim Teleobjektiv ist dies zu empfehlen. Als Datenformat würde ich immer das RAW- Format empfehlen. Ausnahme bei Festivals. Dort fotografiere ich in JPG (Außer bei den Headlines). Grund hierfür ist das ich meistens kein Notebook zur Verfügung habe um die Daten von der Speicherkarte auf den Rechner zu übertragen.

Da das Licht, das A und O ist, heißt es stehst Augen auf im Straßenverkehr. Doch was machen, wenn das Licht ein einziger Matsch ist? Solange der Farbmatsch nicht zu sehr aus Blautönen besteht, hilft leider nur in S/W konvertieren und dort mit starken Kontrasten in RAW-Converter nachhelfen.

Beim Fotografieren der „Crowd“, sollte man am besten die Belichtungskorrektur um ca. +0.7 Einstellen. Warum? Publikum und Himmel haben zu starke Kontraste. Dadurch passiert es oft, dass die Kamera einen falschen Wert für die „Richtige Belichtung“ errechnet und dadurch die „Crowd“ vollkommen in der Dunkelheit verschwindet. Je nach Dynamikumfang der Kamera kann man in der RAW Entwicklung natürlich noch einiges retten. Fakt ist. CMOS Sensoren kommen besser mit einer Unterbelichtung als mit einer Überbelichtung klar. Bedeutet, aus quasi komplett schwarzen Bereichen kann man noch deutlich Struktur gewinnen, was bei einer Überbelichtung eher schwer bis gar unmöglich ist.heaven-shall-burn-crash-september16-adriansailer-16

 

Nachbearbeitung in Adobe Lightroom

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